Begriffserklärungen

Hier werden die wichtigsten Begriffe, die in der Gütesiegel-Übersicht vorkommen, kurz erklärt.

Unterschiedliche Ansäze von Gütesiegeln

Gütesiegel
Der Begriff Gütesiegel wird in dieser Übersicht als Überbegriff verwendet für alle aufgelisteten Gütesiegel, Zertifizierungen, Initiativen.


Ansatz
Gütesiegel verfolgen verschiedenste Ansätze, um eine ökologisch und/oder sozial nachhaltige Produktion zu fördern. Manche setzen auf das Zertifizieren einzelner Produkte (Produktzertifizierung), andere auf eine nachhaltige Ausrichtung der gesamten Unternehmensstrategie (Unternehmensansatz). Weitere Ansätze, die in der Gütesiegel-Übersicht vorkommen sind: Fabrikszertifizierung, Zertifizierte Baumwollproduktion, Produkt-Code

Produktzertifizierung
Das Gütesiegel ist direkt am Produkt angebracht. Bekleidungsunternehmen können nur einzelne Produkte/Kollektionen nach den Kriterien zertifizieren lassen, ohne jedoch die Unternehmensstrategie als Ganzes zu verändern.

Unternehmensansatz
Die gesamte Unternehmensstrategie muss nach den Standards einer Initiative ausgerichtet werden. Die Beschränkung auf Teile des Unternehmens oder Teile des Produktsortiments ist nicht möglich. Wesentliche Unterschiede gibt es jedoch zwischen Multistakeholder-Initiativen (MSIs) und reinen Unternehmensinitiativen.
Multistakeholder-Initiativen beteiligen diverse Interessengruppen, insbesondere Gewerkschaften, NGOs und lokale Organisationen, um die Einhaltung primär von sozialen Standards glaubhaft zu überprüfen. MSIs arbeiten zumeist prozessorientiert, d.h. sie streben eine schrittweise Verbesserung der Arbeitsstandards an.
Reine Unternehmensinitiativen hingegen werden nur von UnternehmensvertreterInnen getragen und beteiligen keine Gewerkschaften, NGOs und lokale Organisationen an Entscheidungsprozessen bzw. bei der Überprüung der Einhaltung von Standards. Die Mitgliedschaft in einer Multistakeholder-Initiative bzw. in einer Unternehmensinitiative wird am Endprodukt meist nicht ausgewiesen.

Fabrikszertifizierung
Bei der Fabrikszertifizierung wird nicht das gesamte Unternehmen betrachtet, sondern einzelne Produktionssätten werden nach bestimmten Standards kontrolliert. Die Zertifizierung wird am Endprodukt meist nicht ausgewiesen.

Zertifizierte Baumwollproduktion

Als zertifizierte Baumwollproduktion bezeichnen wir jene Initiativen, die gemeinsam mit Baumwoll-ProduzentInnen an einer ökologisch nachhaltigen Baumwollproduktion arbeiten. Die Zertifizierung wird am Endprodukt meist nicht ausgewiesen.

Produkt-Code
Ein Produkt-Code dient dazu, die einzelnen Produktionsschritte eines Produkts für KonsumentInnen nachvollziehbar zu machen.

Soziale und ökologische Kriterien entlang der textilen Produktionskette

Produktionsschritte
Die Standards, die ein Gütesiegel setzt, sind u.a. abhängig davon, welche Produktionsschritte der textilen Kette abgedeckt werden. Die Gütesiegel-Übersicht weist daher die abgedeckten Produktionsschritte aus: Produktion der Rohstoffe, Produktion der Garne und Stoffe, Konfektion.

Rohstoff
Produktion der Rohstoffe: Die Wertschöpfungskette in der Bekleidungsproduktion beginnt bei der Herstellung von Rohfasern, die tierischen, pflanzlichen oder chemischen Ursprungs sein können. Chemiefasern sind die am meisten verwendeten Textilfasern. Bei ökotextil-Siegeln sind jedoch oft nur Naturfasern erlaubt. Viele Gütesiegel decken nur diesen ersten Schritt der Produktionskette ab, garantieren einen biologischen Anbau von Baumwolle ohne Verwendung gentechnisch veränderten Saatguts, oder verlangen einen möglichst geringen Einsatz von Pestiziden. Andere wiederum garantieren dass, die ProduzentInnen faire Preise erhalten, keine Kinderarbeit zum Einsatz kommt und Arbeit nicht gesundheitsgefährdend ist.

Stoff
Produktion von Garnen und Stoffen: Aus den aufbereiteten Fasern werden Garne hergestellt, aus denen wiederum die Stoffe entstehen. Der Stoff wird gefärbt, bedruckt, bügelfrei gemacht, imprägniert. Die Textilveredelung geschieht oft unter Einsatz gefährlicher Chemikalien. Biobaumwolle, die konventionell weiterverarbeitet wird, kann so zur Chemiebombe werden, die die Gesundheit von ArbeiterInnen und KonsumentInnen schädigt und die Umwelt belastet. Die Beschränkung auf umweltfreundliche Färbemittel und Ausrüstungsmittel, ein entsprechender Schutz für die ArbeiterInnen sowie die Klärung der Abwässer sind bei der nachhaltigen Stoffproduktion zentral.


Konfektion
Während die Stoffproduktion hauptsächlich von Maschinen erledigt wird, ist das Nähen von Bekleidung der arbeitsintensivste Teil der Produktionskette. Eine faire Produktion stellt u.a. sicher, dass existenzsichernde Löhne gezahlt werden, keine exzessiven Überstunden geleistet werden müssen, Versammlungsfreiheit gewährleistet ist und die Umsetzung unabhängig kontrolliert wird. Ein ausdrücklicher Verweis auf die ILO- Kernarbeitsnormen sowie die Einbeziehung von Gewerkschaften, NGOs und lokale Organisationen bei Kontrollen und Trainings zeichnet Initiativen aus, die eine sozial nachhaltige Produktion anstreben. 


ökologische Kriterien
Die Standards, die ein Gütesiegel setzt, sind u.a. abhängig davon, ob es sich schwerpunktmäßig um ein ökologisches oder soziales Gütesiegel handelt. Die wichtigsten ökologischen Kriterien entlang der textilen Produktionskette werden bei den einzelnen Produktionsschritten (Rohstoff, Stoff, Konfektion) beschrieben.

Soziale Kriterien

Die Standards, die ein Gütesiegel setzt, sind u.a. abhängig davon, ob es sich schwerpunktmäßig um ein Ökologisches oder soziales Gütesiegel handelt. Die wichtigsten sozialen Kriterien entlang der textilen Produktionskette werden bei den einzelnen Produktionsschritten (Rohstoff, Stoff, Konfektion) beschrieben.

Weitere Begriffe

Existenzsichernder Lohn
Ein Lohn, der nicht nur die Grundbedürfnisse abdeckt (Miete, Essen, Sozialversicherungen usw.), sondern auch ein angemessenes Zusatzeinkommen für den Unterhalt von Familienmitgliedern ermöglicht. Ein existenzsichernder Lohn liegt in Produktionsländern für Textilien und Bekleidung meist erheblich über den gesetzlich festgelegten Mindestlöhnen.

ILO-Kernarbeitsnormen

Die ILO-Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (International Labour Organization) wurden 1998 beschlossen. Die vier Grundprinzipien der ILO sind: Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Kollektivverhandlungen, die Beseitigung der Zwangsarbeit, die Abschaffung der Kinderarbeit und das Verbot der Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf. Diese Grundprinzipien werden in acht Übereinkommen festgehalten:
Übereinkommen 87: Vereinigungsfreiheit und Schutz des Vereinigungsrechts
Übereinkommen 98: Vereinigungsrecht und Recht zu Kollektivverhandlungen
Übereinkommen 29: Zwangsarbeit
Übereinkommen 105: Abschaffung der Zwangsarbeit
Übereinkommen 100: Gleichheit des Entgelts
Übereinkommen 111: Diskriminierung (Beschäftigung und Beruf)
Übereinkommen 138: Mindestalter
Übereinkommen 182: Verbot und unverzügliche Maßnahmen zur Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit